Dienstag, 13. August 2013

Eine Historische Tafel...


Hier sehen wir die an der Aussenmauer aufgemalte Tafel mit den historischen Daten, wann wer Besitzer des Andlauerhofes war. Zuerst möchte ich vermelden, dass gemäss meinen Forschungen dieser Gebäudekomplex ums 16. Jahrhundert wohl der "hintere Andlauerhof" genannt wurde. Nebenan war seit dem 14. Jahrhundert eine Elendsherberge.... was nicht auf Armut hindeutete, sondern dem älteren histroischen Sinn dieses Wortes zu verdanken ist. Zu dieser Zeit, wenn jemand von Zuhause fort ging, u.U. ins Ausland, in den Krieg zog, sagte man, er geht ins Elend (in dem Sinne Ausland). Oft kamen wohl solche Personen verarmt wieder nach Hause... und es könnte ein Grund sein, warum wir heute mit diesem Worte Armut und Kargheit verbinden. Dies ist jedoch geschichtlich nicht erwiesen. Jedenfalls wurde in der Elendsherberge zwei Gruppen Menschen bewirtet, einerseits die nach Jerusalem pilgernden Gläubigen, es gab derer Herrbergen erwähnt in Zürich, Basel und Strassburg, und später andererseits effektiv minder bemittelten Menschen. 

was heute noch aus dem Namen der Herbergsgasse hervorgeht. 

Nun, über die Witwe Bolte, äh, Wittwe Sürlin ist nicht viel zu finden, aber der liebe Konrad, der war aktiv in Basel. Mir persönlich fehlt momentan noch die historische Referenz seines Besitzes. Das Wappen rechts oberhalb der Tafel ist dasselbe wie auf dem Holzbalken des Tores zur Linken. Ich nehmen an, die beiden Bären- oder Greifftatzen sind das Zeichen derer von Laufen. Zu welcher Familie der Schimmel gehört, weiss ich momentan noch nicht. 


Einfacher ist es da, das Wappen der Herren von Andlau zu erkennen, links hier im Bild, und rechts der gestürzte Wolfsadler der Herren von Eptingen. Sie waren auch die Herren von Pratteln, früher Brattelo genannt.... daher haben beide Gemeinden auch heute noch dasselbe Wappen. Ob von diesem Namen das französische Bretelles abgeleitet worden ist, kann ich historisch weder beweisen noch mir optisch erklären. Die unter den Wappen abgebildete korsettartige Bekleidung hat jedenfalls oben links unter "D" eine Bretelle historique... 








Anmerkung noch zu dem Korsett oben, respektive dem unter D verwiesenen Träger. Es gab verschiedene Vorläufer der (Hosen-)Träger während der letzten 300 Jahre Kleidungsgeschichte, der heutige Typ Hosenträger, ehemals Hosenhebe genannt, jedoch wurde von Albert Thurston im Jahre 1822 erfunden, mit Knöpfen und Klemmverschluss. Weil zu dieser Zeit der Hosenbund sehr hoch getragen wurde, war ein Gürtel unpraktisch. Daher war der Gebrauch dieses wunderbaren Kleidungsaccessoirs eigentlich universell seit der Mitte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Hosenträger haben dann ihre Popularität während des ersten Weltkrieges verloren, weil sich die Männer an das Tragen des Uniformgürtels gewohnt hatten, blieben jedoch noch bis in die 20er Jahre Norm. Aufgrund ihres Ansehens als der Unterwäsche zugehörig zogen die Männer ab den 30er Jahren der Gürtel vor, parallel dazu wurde das Gilet weniger getragen, es hatte ja die Hosenträger verdeckt. Ich gebe zu, auch ich hatte in meinen wilden Jahren im französischsprachigen Raum eine Phase, wo ich nur Noeud Papillons und Bretelles trug, plus (damals war die Hemdmarke Façonnable in, welche sich gut für diese Accesoirs eigneten), und...oh wen wunderts, auch Cannotiers und Borsalinos. Ja auch die gibts noch:  http://www.borsalino.com/

Was würde wohl Herr Thurston von der heutigen schlapprigen Hiphop-Kleider"kultur" des Hosentragens halten? Ich denke, er würde im Grabe rotieren wie Weiland XYZ... na wie jeder halt der etwas Tolles erfunden hat, und dann vom Himmel herab, oder von der Hölle herufen, stumm und machtlos zuschauen muss, wie seine Erfindung ins Lächerliche gezogen wird. Es ist ein Jammertal...

Hier noch eine wunderschöne Information: trotz des Gürtels hat die Firma Albertz Thurston bis heute überlebt und kann hier besucht werden:  http://www.albertthurston.com/


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