Freitag, 14. Dezember 2012

Nature Goes Art!!

"Good Morning, Vietnam!" möchte man da aus dem Fenster im ersten Stock laut auf die Strassenkreuzung schreien, aber einerseits hat dieses Filmzitat keine Verbindung mit dem aktuellen Thema und wäre halt bloss ein Weckruf für die verschlafenen paar Basler oder Frühaufstehturisten... andererseits ist es genau die Sorte Ausruf, der Energie ausstrahlt, positives Denken, um mit Norman Vincent Peale zu sprechen, Auftrieb, Power, Dynamik, Energie, erhalten diesmal nicht - um beim Film zu bleiben - wieso eigentlich, dachte der hätte nix mit dem Thema zu tun ? - Klappe halten! - Nun äh... also, na ja vergessen wir es. Es ist halt so ein spontan gewählter Ausruf, missbraucht als exclamation of Joy, ja daaaa passt natürlich wieder dazu, dass ich grad kürzlich die DVD von Clockwork Orange mal wieder ins Hirn gebeamed habe... und deshalb auch wieder Walter Carlos höre und den Ollen "Ludwig van"... (Song of Joy als key music).

Es ist wunderbar, gestern noch -5°, und heute ein laues Lüftchen, warme, freundliche Biese, die mir schon eher wieder die Lebensgeister zurückruft als die letzten paar Tage - und dann, frühmorgens nicht zu spät (der Kenner erkennt das Zitat) beim  ersten Kaffee am Arbeitsplatz (kein Zitat), den Blick gen Himmel gewendet (na wer erkennt die Verbindung zur Parerga & Paralipomena von Schopi?? Aufschrie Achill und drehte den Blick zum Himmelsgewölbe... leider kann ich hier wohl ohne grosse Komplikationen den griechischen Text nicht hinwursteln...) nu, also da sieht man von unserer Küche direkt auf die Kreuzung von Dufourstrasse und St. Albans-Graben, und das sich dort befindliche Basler Kunstmuseum... ein wunderschöner Bau aus dem early 20th Century, so modern noch heute, neoklassizistisch von Herrn von und zu Paul Michael Nikolaus Hansobald Bonatz (1877-1956) in den Vorkriegsjahren 1931-36 zusammen mit Rudolf Christ (1895-1975) gebaut. Mir gefällt dieser gradlinige Bau sehr. Die in unterschiedlichen Abständen eingefügten dunkleren Steine, die schmalen, hohen Fenster und als Gegensatz dazu der tolle Bogenbau vor dem Eingang, das macht mir jeden Tag Freude anzuschauen. Und heute hat die freundliche Sonne so freundlich an dieses ebenfalls freundliche Gebäude geschienen, gesonnt, und da war da plötzlich eine Silhouette, leuchtend im Sonnegleis, es durchblitzte mein Gehirn, es habe doch gar keine Alpenkette, die sich da schattentechnisch zeigen könne... danach dachte ich, es sei halt das bizarre Riff des sich im Abbruch befindlichen Gebäude der Providentia, wo der Neubau des lieben und wie wir nun wissen freundlichen Kunstmuseums hinkommen wird.

Nein! Es war weder das eine noch andere. Simply put, es war Wasser, welches vom Dach geronnen war. Es sieht bombastisch aus, sehen Sie selbst:



Zurück zum Bau. Ich bin schon wieder ärgerlich, da auf der Webseite vom Kunstmuseum NICHTS steht über die Architekten, noch weniger über die Künstler, welche die Kapitelle gebastelt haben. Also schnell über die Strasse gewetzt. Leider hab ich kein Eyephone, denn das wär am einfachsten, die Foto der Infoplaquette, die sich an der Innenseite des mittleren Eingangspfeilers befindet, hier zu publizieren... nu, das grosse Relief "Arena-Kämpfer" über dem Haupteingang ist von Ernst Suter (1904-1987), und die acht Kapitäle von linx nach rächtz Ernst Suter - Kunst und Wissenschaft, Otto Roos (1887-1945) - Frauenraub, Adolf Weisskopf (* 1899) - Vogel Gryff, Otto Roos - Kameraden, Ernst Suter - Baugeschichte, Carl Gutknecht (1878-1970) - Fasnacht, Ernst Suter - Tod und Auferstehung, Jakob Probst (1880-1966) - Vater Rhein. Das Wandrelief neben der Seitenpforte ist von Louis Weber (1891-1972), eine symbolische Darstellung von Malerei, Bildhauerei, Architektur.. Die Steinhauerarabeiten an der Frontseite des Kunstmuseums wurden in den Jahren 1937-41 von Basler Künstlern entworfen und in Jura-Kalkstein ausgeführt. Am Balkon: Adolf Weisskopf - Wappen mit Baslerstab, Hans Schmid (* 1903) - Inschrift "Die Stadt Basel den Werken der Kunst". Der Brunnen an der Ecke Dufour ist von Alexander Zschokke (* 1894) - Die Lebensalter. Ausführung in Bronze und Castione-Granit. Sodele.

Auf der Ecke Dufourstrasse zum Hintereingang hat es drei Eisenreliefs, die mir super gefallen. Kraftvoll, atavistisch, helvetisch eben. Die sind von


Nu hat ja ein weiterer Architekt, Rudolf Christ am Bau mitgearbeitet. Hier was die NZZ darüber schrieb... darf es wohl nicht kopieren, sonst scheissen die wieder in die Hose, dabei ist es bloss Werbung für so Käseblätter. ... Na was solls, wenn die dann plötzlich den Artikel löschen, dann bin ich am Berg. Ich kopiere es mal hierhin, damit dieser Post etwas mehr Fleisch am Knochen hat.. lol.







Das Kunstmuseum Basel im Jahr 2008. Ansicht von Westen.
Das Kunstmuseum Basel im Jahr 2008. Ansicht von Westen. (Bild: Basmus (cc-by-sa 3.0))

Der Stuttgarter Hauptbahnhof und das zusammen mit Rudolf Christ realisierte Kunstmuseum Basel haben Paul Bonatz (1877–1956) international bekannt gemacht. Nun ehrt das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt am Main den Meister der moderaten Moderne mit einer wohltemperierten Werkschau.
Karin Leydecker
Der zwischen 1911 und 1928 erbaute Stuttgarter Bahnhof sorgt seit dem Streit um seinen Teilabriss und eine Neukonzeption unter dem Titel «Stuttgart 21» für Schlagzeilen. Die Gunst der Stunde nutzend, widmet nun das Deutsche Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main dessen Erbauer, dem Architekten Paul Bonatz, eine umfassende Ausstellung. Diese zeigt Bonatz als wichtigen Baumeister mit vielen Facetten künstlerischen Ausdrucks und nicht mehr nur einseitig als NS-Mitläufer. Man begegnet dem Studenten Bonatz, der sich vom Lehrer und Übervater Theodor Fischer niemals wird lösen können, aber auch dem von Ehrgeiz getriebenen Hochschullehrer, der vom grossen Kuchen des faschistischen Baubooms ein kleines Stück zu erhaschen sucht. Bonatz liebte die Ingenieurbaukunst, die Monumentalität und zugleich «Wärme und Ruhe und Heimatgefühl» im Wohnhaus. Er kritisierte die Avantgarde wegen ihrer selbstverliebten Starauftritte, aber dennoch verteidigte er die von den Nazis angefeindete Stuttgarter Weissenhofsiedlung noch 1933 als «notwendiges Unternehmen».

Kathedrale des Verkehrs

Aus der Auseinandersetzung um «Stuttgart 21», die bis heute heftig Wellen schlägt, will sich das Architekturmuseum vordergründig zwar heraushalten. Gleichwohl setzt es listig auf die Kraft der Bilder, wird der Stuttgarter Bahnhof doch in epischer Breite mit schönen Modellen und historischen Fotografien stimmungsvoll in der zentralen Halle des Erdgeschosses inszeniert. Bonatz komponierte seine Kathedrale des Verkehrs aus mächtigen steinernen Kuben in schlichter Sachlichkeit und spielte souverän mit den Pathosformeln erhabener Gefühle. Julius Posener beschrieb das so: «In Stuttgart hält man jedes Mal den Atem an, wenn man die grosse Schalterhalle betritt: Man meint, man betritt eine Kirche.» In unseren Tagen wirkt dieser Bahnhof mit seinen grossen Portalen, mit der klar komponierten Wegführung und dem von der Königstrasse weithin sichtbaren Uhrturm wie eine moderne Karawanserei, die das Ankommen und Wegfahren immer wieder zu einem Erlebnis macht. Dabei wusste Bonatz das Monument geschickt mit dem urbanen Kontext zu verzahnen.
Die Entwürfe des Bonatzschen Frühwerks und die öffentlichen Bauten, die Bonatz zwischen 1903 und 1914 für Stuttgart, Tübingen und Dresden entwarf, sind noch stark vom Geist Theodor Fischers geprägt: Sie wirken gross, ruhig und lichtdurchflutet, aber niemals einschüchternd. Bonatz glaubte an einen modernen Klassizismus, der seine Monumentalität aus der Reduktion gewinnt. Überregionale Resonanz fand sein architektonisches Credo erstmals mit der palladianisch inspirierten Sektkellerei Henkell in Wiesbaden (1907). International bekannt aber wurde es mit dem Kunstmuseum Basel, das er von 1931 bis 1936 zusammen mit Rudolf Christ realisierte. Bei dieser gebauten Eloge auf den schönen Stein gelang Bonatz und Christ die kühne Transformation italienischer Renaissance in ein Bild rationalistischer Klassik.
In Bonatz' Schaffen geht es nicht um «Stil» und auch nicht um Heimattümelei. Es geht vielmehr um eine Architektur, die von regionalen und geschichtlichen Besonderheiten sowie vom Bestand ausgeht und die sich organisch in ihn einfügt. Dieses von Theodor Fischer übernommene Prinzip offenbart sich ebenfalls in der Gestaltung von technischen Bauten wie den Staustufen oder Brücken, die in Bonatz' Werk früh schon eine Rolle spielten.

Harmonische Landschaft

Für Bonatz war es eine «falsche Methode des Heimatschutzes, wenn man technische Anlagen verschleiert, statt sie klar auszuprägen». Allerdings – und das war im Kontext der «Stuttgarter Schule» besonders wichtig – erachtete er das harmonische Einfügen in die Landschaft als oberstes Gebot. Diese an Bautradition und Landschaftsbezug orientierte Architektur gewann im Zusammenhang mit der Revision der Moderne neue Aktualität. Es war aber auch gerade der Rekurs auf bauhistorische Vorbilder, der geraume Zeit den Zugang zum Schaffen von Bonatz versperrte.
Schwer tat man sich lange auch mit Bonatz' unentschlossener Haltung gegenüber dem Dritten Reich: Einerseits exponierte er sich mit der Kritik am «geistlosen Gigantismus» der Staatsbauten beträchtlich, andererseits hätte er manchmal gerne in der Liga der erwählten Baumeister des Hitler-Reiches mitgespielt. Denn er war grundsätzlich verliebt in die Schönheit der grossen Form. Darin unterscheidet er sich kaum von seinen Architektenkollegen in Vergangenheit und Gegenwart. In seiner Position als «oberster Brückenbauer» an den neuen «Reichsautobahnen» des NS-Regimes favorisierte er eine freie Gestaltungsweise, die von fortschrittlichster Modernität bis zu dem anachronistisch anmutenden Steinbogenviadukt reichte.

In der Türkei als Lehrer

Im Jahr 1941 schrieb Bonatz: «Wenn ich aufs Ganze schaue, was in Berlin wie München entstehen soll, dann wird das Grauen immer grösser.» 1943 eröffnete er in der Türkei die Ausstellung «Neue deutsche Baukunst» und blieb dann dort – zunächst als Bauberater in Ankara, dann als Lehrer und Wegbereiter der Moderne in Istanbul. Als er 1954 nach Stuttgart zurückkehrte, herrschte der Geist einer neuen Massenästhetik, mit der er sich nicht zurechtfand. Sein letztes Werk war die künstlerische Neuschöpfung des zerstörten Kunstgebäudes (1913) von Theodor Fischer im Herzen von Stuttgart. «Klassik» ist das Zauberwort, mit dem er dem zarten und romantischen Kunsttempel wieder Leben einhauchte; und Klassik ist der Massstab, an dem Paul Bonatz zu messen ist.

Bis 20. März im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main, danach in der Kunsthalle Tübingen. Katalog: Paul Bonatz 1877–1956. Hrsg. Wolfgang Voigt und Roland May. Wasmuth-Verlag, Tübingen 2010. 320 S., Fr. 77.90 (€ 35.– in der Ausstellung).
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Nach langem Suchen dann doch noch die Geschichte des Museums auf der Museumsseite gefunden, aber wi kläglich wird da über den Neubau vn 193x berichtet, und peripher über die daran beteiligten Künstler... da wird mir schwindlig. Lassen wir das Museum sprechen:


Zur Geschichte des Kunstmuseums

Die lange Geschichte der Öffentlichen Kunstsammlung Basel reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Mit dem Ankauf des Amerbach-Kabinetts, einer humanistisch geprägten Privatsammlung, deren Ursprünge auf die Zeit vor der Reformation zurückgehen, gelangte Basel im Jahr 1661 als erstes städtisches Gemeinwesen in den Besitz einer Kunstsammlung. Dies lange bevor in anderen Städten Europas fürstliche Sammlungen dem Publikum zugänglich gemacht wurden. Das universalistisch angelegte Kabinett, das u.a. auch naturgeschichtliche und ethnografische Objekte sowie eine Bibliothek enthielt, umfasste beim Tod von Basilius Amerbach (1533 –1591), Enkel eines der grossen Buchdrucker und Sohn eines bedeutenden, mit Erasmus eng befreundeten Rechtsgelehrten, gegen 50 Gemälde, darunter 15 von Hans Holbein d.J., sowie ein sehr grosses Konvolut an Zeichnungen und druckgrafischen Blättern.
1661 drohte dem Amerbachschen Kabinett der Abgang nach Amsterdam. Professoren der Basler Universität griffen ein, um die grossartige Sammlung der Vaterstadt zu sichern. Bürgermeister Johannes Rudolf Wettstein und der Grosse Rat zeigten Verständnis, und so wurde die Sammlung für die hohe Summe von 9000 Reichstalern angekauft. Der Rat der Stadt übernahm zwei Drittel, die Universität, die in der Folge die Sammlung und die angegliederte Bibliothek verwaltete, einen Drittel. 1671 wurde das Kunstkabinett im Haus „zur Mücke“ nahe dem Münsterplatz als eine der besonderen Sehenswürdigkeiten der Stadt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
1823 stiess zur Amerbachschen Kunstsammlung, bereichert durch einzelne Zuwendungen des Rates und privater Schenker, das vom Rechtsgelehrten Remigius Faesch (1595-1667) angelegte Museum Faesch. Neben weiteren Gemälden Hans Holbeins d.J. enthält es bedeutende Werke oberrheinischer Kunst vom 15. – 17. Jahrhundert und mehrte insbesondere auch das Kupferstichkabinett auf substantielle Weise. Die immer offensichtlicher werdende Raumnot konnte 1849 durch den Umzug in den spätklassizistischen Vielzweckbau von Melchior Berri an der Augustinergasse gelindert werden, in dem sich heute noch das Naturhistorische Museum und das Museum der Kulturen befindet. Eine Gefährdung von Universität und Kunstsammlung stellte 1833 die Teilung des einstigen Standes Basel in zwei Halbkantone dar. Als Teil des Universitätsgutes wurden die Sammlungsbestände schliesslich gegen einen Schätzpreis von 22'000 Franken der Stadt überlassen und konnten so unbeschadet zusammengehalten werden.
Trotz grösserer Schenkungen und Vermächtnisse im 19. Jahrhundert, denen man einen bedeutenden Zuwachs an niederländischer Kunst vom 15. bis 17. Jahrhundert und von deutscher Kunst des 19. Jahrhunderts verdankt, blieb die Oberrheinische Kunst des 15. und 16. Jahrhunderts Kern des Altmeisterbestandes. Als Geschenke von Basler Familien gelangten schrittweise elf Tafeln von Konrad Witz aus der Sammlung des Markgrafen von Baden in die Sammlung.
Vor allem das Legat des Basler Malers und Kunsthändlers Samuel Birrmann (1793-1843) eröffnete seit 1855 durch einen Fonds, der zeitgenössischer Schweizer Kunst vorbehalten blieb, eine eigentliche Ankaufspolitik, dies unter der Aegide der Museumskommission, die bis heute über Ankäufe, Legate und Geschenke befindet. So konnte eine grosse Werkgruppe von Arnold Böcklin zusammengetragen werden, die repräsentativste Sammlung des Künstlers überhaupt. Seit 1903 stellte auch der Stadtkanton anfänglich bescheidene Ankaufsmittel zur Verfügung, die letztmals 2002 erhöht wurden.
1936 konnte endlich ein eigens für die Öffentliche Kunstsammlung errichteter Bau der Architekten Rudolf Christ und Paul Bonatz am St. Alban Graben bezogen werden, das Kunstmuseum Basel, wie man es heute kennt. Es ist in den letzten Jahren einer gründlichen Sanierung unterzogen worden.
Seit den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts begann man, zuerst unter Otto Fischer, mit dem Aufbau einer Sammlung moderner Kunst mit internationaler Ausrichtung, die das Gesamtprofil wesentlich verändern und prägen sollte. Insbesondere Georg Schmidt betrieb den Ausbau der Sammlung auf energische Weise. Einen Durchbruch bedeutete 1939 der Ankauf von deutschem Museumsgut, das als „entartet“ diffamiert war.
Mit immer noch relativ bescheidenen Ankaufsmitteln, hie und da um einen staatlichen Sonderkredit ergänzt, konnte eine repräsentative Sammlung der Kunst des 20. Jahrhunderts aufgebaut werde, die über die Jahre zu einer der bedeutendsten weltweit werden sollte. Wesentlich waren aber auch hier Schenkungen von privater Seite, so die hervorragende Kubisten-Sammlung von Raoul La Roche und zahlreiche Deposita von Stiftungen, so der 1933 gegründeten Emanuel Hoffmann-Stiftung, aber auch der Stiftung Im Obersteg (2004).
1959 konnte das Kunstmuseum dank der Schenkung der Schweizerischen National-Versicherungs-Gesellschaft als erstes europäisches Museum amerikanische Kunst des Abstrakten Expressionismus zeigen. Der von Generation zu Generation übertragene Kunstsinn der Basler Bürger und ihre Verbundenheit mit dem Kunstmuseum wurde sprichwörtlich durch eine Volksabstimmung von 1967, die den Verbleib zweier Spitzenwerke von Pablo Picasso sicherte, die als langjährige Leihgaben der Sammlung Rudolf Staechelin sozusagen zur Identität des Museums gehörten.
Unter Franz Meyer setzte sich in den sechziger Jahren der Ausbau der Abteilung moderner Kunst fort, und die Gegenwartskunst gewann systematisch an Spielraum, vor allem amerikanische Kunst , aber auch Joseph Beuys. Christian Geelhaar und Katharina Schmidt arrondierten dieses Engagement für noch nicht allgemein akzeptiertes zeitgenössisches Kunstschaffen und das Sammeln in Schwerpunkten entlang gewisser Leitlinien. Die konsequente Weiterentwicklung der Sammlung auf hohem qualitativen Niveau unter Einbezug der neuen künstlerischen Medien und den jüngsten künstlerischen Errungenschaften gilt auch der jetzigen Direktion und Museumskommission als Direktive.
Dank einer Schenkung von Maja Sacher-Stehlin, in Zusammenarbeit mit der Emanuel Hoffmann-Stiftung und der Christoph Merian-Stiftung, konnte 1980 am St. Alban-Rheinweg in einer alten Industrieliegenschaft das Museum für Gegenwartskunst als Zweigstelle für das aktuelle Kunstschaffen eingerichtet werden. Die Enkelin Maja Sachers wiederum, Maja Oeri, errichtete 2003 mittels der Laurenz-Stiftung das Schaulager für diejenigen Werke der Emanuel Hoffmann-Stiftung, die nicht im Kunstmuseum oder dem Museum für Gegenwartskunst zu sehen sind.  Zur Erweiterung der Öffentlichen Kunstsammlung Basel und des Kunsthistorischen Seminars schenkte Maja Oeri 1999 der Stadt Basel das frühere Nationalbankgebäude, das am St. Alban-Graben ans Kunstmuseum grenzt. Durch die Verlagerung von Bibliothek, Verwaltung und Kunsthistorischem Seminar der Universität gewinnt das Kunstmuseum im Hauptgebäude neue Ausstellungsflächen sowie publikumsfreundliche Zonen und hält Schritt mit den Herausforderungen einer neuen Museumslandschaft.


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Hatte ich doch recht mit der Annahme, dass der Bau etwas Kontrovers wahr seinerzeit. Mich ärgert vor allem der Blick auf die Politik. Da wird über 30 Jahre gelabert, wo und warum und wer und mit wem... das hasse ich und dies hat sich seit Julius Zäh-Sar nicht ge(me)ändert.

Hier ein Glimpse into the Tribune vom November 2008


KUNSTMUSEUM BASEL: SEIT 1661 AN DER SPITZE
Als 1936 die Öffentliche Kunstsammlung in Basel ihren Neubau am St. Alban-Graben bezog, mussten sich der Basler Architekt Rudolf Christ und sein Stuttgarter Kollege Paul Bonatz einiges an Kritik gefallen lassen. Inzwischen hat sich der massive Steinkörper mit seiner italienisch anmutenden Eingangsarkade bewährt.
Das Ausstellungshaus genügt den gestiegenen Ansprüchen der modernen Ausstellungstechnik, es verträgt auch sanfte Eingriffe, wie der im vergangenen Jahr abgeschlossene Umbau zeigt.

Nachdem die Mäzenin Maja Oeri 1999 dem Kunstmuseum das benachbarte, 1926 errichtete palastartige Gebäude der Nationalbank als Erweiterungsbau geschenkt hatte, wurde der damals bereits geplante Erweiterungsbau aufgegeben zu Gunsten einer Renovation des bestehenden Hauses und des Einbaus einer grossen Cafeteria.

Das neue Café Kunstmuseum ist in einem langen Raum  im früheren Bibliotheksflügel entstanden und öffnet sich in den Sommermonaten für die Bewirtung zum Hof des Kunstmuseums. Die rückwärtigen Räume, einst als Garderobe und Café genutzt, sind zu neuen Ausstellungsräumen geworden, genauso wie der Flügel der Bibliothek und der bekannte Saal des Kupferstichkabinetts. Das kunsthistorische Seminar wurde in das Nachbargebäude verlegt und so bot sich eine weitere Nutzung zur Erweiterung der Ausstellungsräume an. Mit ebenso viel Geschick wurde das an sich relativ schwerfällige Gebäude der Nationalbank zum heutigen
Bibliotheks-, Seminar- und Verwaltungsgebäude umgestaltet. Der etappierte Eingriff begann 2004 und konnte im September 2007 abgeschlossen werden. Seither sind bereits die Planungsarbeiten im
Gange für den Erweiterungsbau, damit das älteste öffentliche Kunstmuseum der Welt fit bleibt für die Herausforderungen der Zukunft.

Ausgabe 4/08 – 28. November 2008


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Ja und unser Nachbar hat ja auch was auf Lager:


15.07.2003
«Kunstmuseum Basel»
Die Architektur

Das Kunstmuseum Basel ist eines der markantesten Gebäude in der Basler Innenstadt. Entstanden in den dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts, verbindet es auf gelungene Weise Tradition und Moderne. Der Band von Niklaus Meier würdigt die Architektur dieses imposanten Baus und ihre Nutzung durch die verschiedenen Museumsdirektoren.

Dem Bau des Basler Kunstmuseums ging eine über dreissig Jahre geführte Debatte voran. Heftig diskutiert wurde, wo das neue Haus in der kulturellen Topographie der Stadt stehen solle und welcher architektonische Stil der grossartigen Sammlung angemessen sei. Die beiden Architekten Rudolf Christ (1895-1975) und Paul Bonatz (1877-1956) orientierten sich an einer ‹Ökumene der Stile›, die sowohl dem Ruf nach Tradition wie auch dem Wunsch nach moderner Bauweise gerecht werden sollte. Heute gilt das in den Jahren 1932-1936 erbaute Kunstmuseum Basel als wertvolles Zeugnis einer Baukunst, die zwischen alt und neu zu vermitteln suchte.

Nikolaus Meier, langjähriger Leiter der Bibliothek der Öffentlichen Kunstsammlung Basel, beschreibt in seiner Monographie die ästhetischen und sinnlichen Eigenarten des Bauwerks, aber auch dessen Ikonographie: das Museum als Schatzhaus, als Kathedrale der Kunst und als Lernort. Zahlreiche Farbfotografien zeigen die Vielfalt der verschiedenen Baustoffe und die handwerklich hervorragend gefertigten Elemente, die den Bau prägen. Neben der architektur-historischen Würdigung verweist Meier auch auf die Nutzung des Museums durch die verschiedenen Direktoren. Mit Ankäufen und Werkpräsentationen wird die Architektur laufend neu interpretiert und beweist so im Laufe der Jahre ihre Tauglichkeit.


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Und hier noch ein Blick in die Zukunft, aus dem Schlussbericht des Hochbauamtes der Stadt Basel

Projekt Nr 10, ohne Titel, 2009

Die Verbindung zwischen Alt- und Neubau gerät unbestimmt und verlangt nach einer leicht fasslichen, einladenden Ausgestaltung. Der Weg führt durch die östlichen Seitenlichtsäle des Christ-Bonatz-Baus über eine Treppe ins Untergeschoss und weiter durch einen vergleichsweise schmalen Gang, der die Besucher mit der Aussicht auf einen «Giardino segreto» die Mühen der unterirdischen Passage vergessen lässt. Eine Treppe bildet die Ouverture zum Foyer im Erdgeschoss, wo sich den Besuchern sogleich der Blick in einen hellen, grossen Raum und, durch zwei hohe Öffnungen, auf den St. Alban-Graben, das Mutterhaus und den Rheinraum offeriert. Der Einblick in das Anlieferungsgeschehen kann sich, richtig ausgedeutet, für die
Besucher als anziehendes Schauspiel erweisen. Je nach Grösse und Art des Anlasses lässt sich das Foyer ins Untergeschoss und auch in die Logistikzone ausweiten. Die Anordnung der Nutzungen mit Bar und Vortragssaal ist so getroffen, dass sich zu einem späteren Zeitpunkt auch andere Zugangsweisen zu Alt- und Neubau bestimmen liessen. etc


Projekt 171270, Made IN / tekhne SA

Die durch die Freistellung des Neubaus resultierende Freiheit wird aus Sicht der Jury leider nicht konsequent genug ausgeschöpft: Die entstehenden öffentlichen Freiräume, die Sitzbank entlang der Strassenfassaden, der versenkte Lichthof im Süden sind interessant, jedoch nicht eindeutig und spezifisch genug ausgestaltet. Wo ist
der Brunnen? Wo sind die Bäume? Wo gibt es ein Strassencafé? Wo fliesst der Verkehr? Wo und wie  bewegen sich die Menschen in diesem erweiterten, vergrösserten öffentlichen Platz? Ebenso erscheint das Unterbringen eines Teils der Technikzentrale im Erdgeschoss des Neubaus als fragwürdiger Vorschlag, wird doch eine einmalige Chance verbaut, eine zusätzliche Attraktivität an diesem Ort zu schaffen, insbesondere auf dem kleinen, dreieckigen Platz zur St. Alban-Vorstadt hin. Wieso wird die gesamte Technikzentrale nicht auf dem Dach im markanten, zeichenhaften Aufbau oder in den Untergeschossen untergebracht?

Die Form des Neubaus ist ein einfacher Kubus. [aha, the cube!!] Gerade diese Einfachheit verleiht dem Gebäude etwas Ikonisches, das durch den kirchturmartigen Aufbau der Technik auf dem Dach noch zusätzlich gesteigert wird. Der vorgeschlagene Neubau steht souverän und ebenbürtig neben dem Christ-Bonatz-Bau, ohne sich anzubiedern, aber auch ohne jegliche Triumphgeste. Das Nebeneinander dieser zwei Baukörper ist die grosse Stärke des Entwurfs; die städtebaulichen Freiheiten des Projekts sind allerdings – wie oben erwähnt – noch nicht vollständig ausgeschöpft. Die Fassadenmaterialien sind konsequent und überzeugend dem dreiteiligen Gebäudeaufbau zugeordnet: opaker Beton im Sockel, transparente und spiegelnde Glashaut im Hauptkörper und Leichtmetall im Dachaufbau. Das gläserne Hauptvolumen ist eine interessante und elegante Ergänzung zur steinernen Trotzigkeit des Christ-Bonatz-Baus und der anschliessenden Bauten des Laurenzbaus und der UBS. Im Gegensatz zum Glasbau der Crédit Suisse ist der vorgeschlagene Glaskörper subtiler und assoziiert auch keinesfalls die übliche Ästhetik eines gläsernen Bürogebäudes.

Die Ausstellungsräume für die Sammlung im Untergeschoss d..... ja und hat nun der Christ + Gantenbein architects den Wettbewerb gewonnen, weil er ein Nachfahre vom Ruedi isch??? Ich kenn mich in Basel nicht aus. Sei es drumm, der Neubau wird uns 3 Jahre begleiten, vom Sitzungszimmer aus gut überschaubar. In diesem Sinne geniessen wir nochmals das Foto von heut morgen. NATURE GOES ART!


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