Mittwoch, 12. Dezember 2012

Wunderschöner Damenschreibtisch

Na soll ich jetzt 24 Stunden Dauerfluchen oder einfach ne Buddel 1967 Yquem öffnen oder auf dem Berlin Alexanderplatz auf den nächsten Panzer warten der mich überrollt? God knows I liked this one here... ich werd sicher noch herausfinden, wer der Ebenist war, dann werden wir's begreifen, warum es so endlos in die Höhe schnellte...  very bad, bin bei 7000 ausgestiegen, 8000 wäre nicht das Ende der Fahnenstange gewesen bei 1 Tussy im Saal und 2 Telefonbietern, und ohne Zuordnung schwer argumentierbar, warum 10'000 der Preis hätte sein gewesen worden würden wären. Zuzüglich 22% Kommission etc, also cost inkl. Büchergestell wäre locker Richtung CHF 20'000 getuckert, und das war meinem jetztigen Budget nicht hold. Die Formsprache ist sehr interessant, eine Zuordnung jedoch unmöglich. Wenn Schuler das als Art Déco Möbel taxiert, ist es eins, er meint es sei geschnitzt. Unser Freund Matthew Simon meint, es sei gepresst, und könnte aus Wien, ca 1910 stammen. Je länger ich darüber sinniere, bin ich der Meinung, dass dieses Möbel später entstanden ist. Die umlaufende "Rinne" (wie heisst das??), welche den Fuss stilistisch andeutet, zeigt für mich auf Stilelemente der 40er/early 50ties Möbel hin. Dieser Tischfuss ist gar nicht typisch fürs Art Déco. Wir sind mit Simon einig, das muss gepresst sein, weil es viel zu regelmässig ist für Schnitzerei. Also eine Master-Mulde gemacht, dann erhitzt und hineingepresst, danach noch gebogen wie Freund Thonet das schön macht. Ich hätt es trotzdem sehr lieb gehabt, das Kind, sprich die Mama. Also der Stuhl ist zu massiv, und andere Stilelemente vorhanden als am Pult, passt aber und war sehr bequem. Natürlich ist das Motiv dieses Relief im Spirit of Art Déco, might it be American AD? Auch bei meinen Freunden der Modernism Gallery hab ich noch nie etwas ähnliches gesehen. Die Türe: in der Mitte zwei gegensätzliche Herzen, die auch als Gesichter durchgehen würden. Werden links und rechts erneut von je einem Herz beschlossen. Durch die mittleren Herzen führt ein Ast, oben und unten von einer Kugel abgeschlossen. Am untern Teil des Baumstammes eine Blumenartige Figur, je 4 Aeste ragen streng parallel im 25° Winkel nach aussen, sich verjüngend. Diese Aeste werden gespiegelt, sodass wir in der Mitte den vollen Baum haben, rechts und links die eine Hälfte. Auf jedem der untersten Aeste sitzt ein Vogel, wohl eine Eule, die Beine separat. In der linken Hälfte der Türe sind dann zwischen den horizontal ausgerichteten Herzen und Baumstämmen zwei Rhomben sichtbar, an dessen Innenseiten Aepfel sichtbar sind, je vier pro Seite. Die Waagrechte wird durch eine Linie ergänzt mit einem kleineren Rhombus, mit stilisierten Blättern gefüllt. "Hinter" den ganzen Figuren und Motiven laufen dann senkrechte Vertiefungen im Holz. Die rechte Hälfte der Türe hat erneut einen Baumstamm, diesmal jedoch die Aeste nach unten zeigend (im oberen Teil) als Parallele zu den Aesten des Zentralbaumes. Oberhalb der beiden Herzen, die sich ja mit der Herzspitze zustehen, sind dann zwei Vögel in Seitenansicht erstellt, der linke überdeckt den Schwanz des rechten, dh. Kopf nach aussen, dh, zum mittleren Baum und Aussenwand hin, jedoch schauen die Vögel zurück, i.e. sie blicken sich an. Die fragen sich wohl, was ich da so schreibe über all das Zeugs. Unterhalb des Herzens dasselbe Motiv. Diverse rechteckige Verzierungen bilden den Rahmen dieser sehr aufwändigen Arbeit. Obwohl die Bäume spiegelbildlich dargestellt sind, dh beim Baum oben zeigen die Aeste 25° nach oben, unterhalb des zentralen Doppelherzens zeigen sie nach unten, stehen die Vögel natürlich alle korrekt mit den Köpfen nach oben. Nimmt man diese ganze Arbeit einmal genau wahr, wird einem klar wie viel Detailplanung und Arbeit hinter dieser Mulde stecken. In meinen letzten Jahren habe ich keine solche Reliefstruktur gesehen, wir können höchstens vermuten, dass es entweder ein Master-Design ist, welches dann nicht in Produktion ging. Oder es ist eine Arbeit auf Bestellung. Leider konnte ich das Möbel nicht so genau untersuchen wie erhofft, ob es weitere Hinweise auf Herstellung und Herkunft hat ist mir daher nicht möglich zu sagen. Nun schweige ich und lasse Bilder sprechen.....

Mama:

2108. SCHREIBTISCH MIT SESSEL. Art-Deco ca.1920. Nussbaum, Leder. Nierenförmiger Korpus mit vier Türen und zentraler schmaler Schublade. Schreibfläche und hinteren Türen mit schwarzen Leder überzogen. Inwendig mit Vogelaugenahorn ausfurniert. Korpus mit Eulen, Masken und arabesken Dekor beschnitzt. 163:85:76. Sessel: Art-Deco 1920, Nussbaum. 66x62x72. Halbrundes Gestell auf konischen Beinen mit figürlich beschnitzten Postament und schneckenförmigem Abschluss. Lederbezug dunkelbraun. Aussergewöhnliche Qualität und guter Zustand.Schätzung: CHF 1400 - 1800Schätzung: EUR 1220 - 1570







Kind

2106. GROSSE BIBLIOTHEK. Jugendstil/ Art-Deco ca.1920/30, Nussbaum. Rechteckiger Korpus auf profiliertem Sockel und Gesims, sowie gerundeten Seitenteilen. Die Seitenwände mit Falken und Früchtemotiven beschnitzt. Gebrauchsspuren. 330:34:155.

Schätzung: CHF 800 - 1000











Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen