Sonntag, 18. März 2012

Küss Mich..........................

Aninaaaaaaaaaaa

Hier könnte man noch was intelligentes schreiben... z.B. dass vor der Jahrhundertwende alles anderst war. (Sorry, jaaaa, das kann man immer schreiben).

Was es im 19. Jahrhundert sicher nicht gross gab, war das was uns heute so zuspamt, nämlich Gebrauchsgrafik (unter anderem) (spam-mails, arschdoofe sitcoms, dumme "social networks", etc). Langsam befreite sich die Welt von Altem und Rigidem und es wurden immer mehr alltägliche Sujets verwendet in Presse und Grafik. Wir können uns im Zeitalter von i-Irgendwas ja gar nicht mehr vorstellen, wie es früher war. Ich habe Originalzeitungen, die Lenin, jajajaja, DER Lenin, in Genf 1906 herausgegeben hat (Proletariy, tsentralny organ Rossiyskoy Sotsialdemokraticheskoy Rabochey Partii.), da gabs noch keene Bilder drinn, nu gut, es war ne Untergrundzeitung, aber viele Publikationen waren noch stark an Bücherlayouts angelehnt.

Diese Entwicklung begann mit dem Historismus, dann über Art Nouveau, dem Jugendstil, der Wiener Secession (I love it), dem Expressionismus und der Art Déco in Europa und der neuen Werbung in den USA. Die Künstler behandelten im Medium Grafik vor allem moderne Themen wie Sport, Mode, Politik, Technik und Alltag und legten den Grundstein für das heute so selbstverständliche Corporate Design, für ein professionalisiertes Grafikdesign und für eine Ästhetik der Werbung. Plakate, Buchtitel, Kalender, Postkarten, Geschäftskarten und Briefbögen waren damals ein hoch aktuelles Thema.

Grafikdesign ist heute in einem Maße präsent, dass ein Alltag ohne Bilder nicht mehr vorstellbar ist. Werbung, Zeitschriften, Internet, vieles im Fernsehen, aber auch Straßenschilder und andere notwendige Dinge – alle sind sie das Werk von Grafikdesignern. Das war nicht immer so. Noch vor rund 150 Jahren waren gedruckte Bilder im Alltag eine große Seltenheit. Als um 1890 farbige Drucke in alle Teile des Alltags vordrangen, gab es durchaus auch Kritiker. Warnend sprach man beispielsweise in den USA von einer „Chromo Civilization“, einer Farben-Zivilisation, die zu einer allgemeinen Oberflächlichkeit zu führen drohe.

Es war eine regelrechte Bilderexplosion um 1890, ein internationaler qualitativer Schub, den Buch- und Zeitschriftengestaltung, Plakatkunst und die zahlreichen Akzidenzdrucke nach 1895 erfuhren. Um 1910 war die Entwicklung weitgehend abgeschlossen. Die verschiedenen Bereiche der Werbung, vom kleinen Prospekt bis zum großen Plakat, die vielfältigen Geschäftsgrafiken, die schließlich zur Corporate Identity führten, oder auch das illustrierte und modern gestaltete Buch hatten sich in neuen und zukunftsträchtigen Formen etabliert.

Bedeutende Künstler waren an dieser Entwicklung beteiligt. Am Anfang standen William Morris und das Arts and Crafts Movement. Aus einer Ablehnung der Industriegesellschaft und der Entfremdung des Arbeiters heraus suchte Morris die Rückkehr zum mittelalterlichen Werkstattbetrieb, in dem Entwurf und Ausführung in einer Hand lagen. Morris produzierte in seinen Werkstätten Tapeten und Stoffe und vor allem ab 1890 in seiner Kelmscott Press kostbarste Bücher. Er leitete das so genannte „Private Press Movement“ ein: Private Verlage und Druckereien boten eine kostbare und vorbildlich gestaltete Alternative zum industriell hergestellten Buch. Ähnlich wichtige Anregungen gingen von der aufkommenden Plakatkunst aus. Initiiert von dem Pariser Jules Chéret hatte sie sich nach 1890 zu einer der interessantesten Kunstgattungen entwickelt. Junge Künstler wie Henri de Toulouse-Lautrec oder Pierre Bonnard versuchten, an dem „Poster Boom“, oder der „Affichomanie“, wie es in Frankreich hieß, teilzuhaben und sich mit spektakulären Plakaten einen Namen zu machen.

Mit Aubrey Beardsley und Alfons Mucha entstand in der Mitte der 1890er Jahre das noch heute gültige Bild des Jugendstil: Ideal schöne, jugendliche Menschen, umgeben von einem harmonischen und zum Ornament stilisierten Ambiente, verheißen eine unbeschwerte Zukunft. Die exquisite Stilisierung des Alltags führte durchaus auch zu einer Realitätsferne, die in befremdlichem Kontrast zur oft handfesten Funktion der Entwürfe steht: Viele von ihnen entstanden für Buchtitel, Plakate oder Einladungskarten. Die Sehnsüchte, an die die Hochglanzbilder der Werbung heute appellieren, waren offenbar bereits damals nicht anders und wurden entsprechend instrumentalisiert.

Mit den beiden Architekten und Designern Henry van de Velde und Peter Behrens hielt eine professionelle, das isolierte Bild übergreifende Gestaltung Einzug in die Gebrauchsgrafik um 1900. Van de Velde entwarf 1898 für den Lebensmittelhersteller Tropon die erste Corporate Identity. Peter Behrens machte es ihm einige Jahre später mit seinen Entwürfen für die AEG auf einer sehr viel umfassenderen Basis nach. Um 1905 übernahmen in der Buchgestaltung, im Plakat und in vielen anderen Bereichen des Grafikdesigns professionelle Gestalter die Führung. Ludwig Hohlwein, Lucian Bernhard, Walter Tiemann und Emil Rudolf Weiß wären für das mittlerweile in dieser Hinsicht führende Deutschland zu nennen.

Die Namen vieler Entwerfer sind dem interessierten Laien nicht mehr geläufig. Als professionelle Grafikdesigner, Typografen und Plakatkünstler fallen sie durch das gängige Raster der Kunstgeschichte. Hatte es in den 1890er Jahren noch eine Einheit der Künste gegeben und wurde um 1900 das Gesamtkunstwerk als Ideal einer modernen Kunst angesehen, so trennten sich um und nach 1905 die Wege der angewandten und der freien Grafik. Auf den ersten Blick waren beispielsweise die krude in Holz geschnittenen Plakate und Prospekte der Brücke-Künstler von den elegant und farbenfroh auftretenden, professionell gestalteten Werbedrucken zu unterscheiden. In den USA und Deutschland kamen nach 1905 erste Werbeagenturen auf, die unabhängig von Druckereien und Verlagen ihre Dienste anboten und die ihrerseits junge Grafiker und Fotografen anstellten. Bereits vor 1910 entstand das noch heute verbreitete Fotodesign. Die individuelle und erkennbare Handschrift des Grafikers sollte bald zu einer Ausnahmeerscheinung werden. Es freut mich besonders, an dieser schönen Stelle im Text auch meinen Freund Eric Satie zu erwähnen, denn nur dank ihm bin ich in der Lage, diesen Wandel der Zeit problemlos zu verstehen. Er hatte die Musik von dem immer schwülstigeren, ausbordenden Romantismus (R.W. lässt grüssen) (ich liebe ihn trotzdem über alles) befreit, der Kahlschlag rundum, und mit seinen teilweise sehr abstrakten Melodien und den noch viel amüsanteren, aber nicht weniger abstrakteren Titel (trois morceaux en forme de poire) den Weg geebnet für alles was nach ihm kam... die ganze neue Sachlichkeit wurde durch ihn möglich. So wie der Wiener Secessionissmus in Art Déco und Bauhaus überlief. Jenun, also eine dolle Zeit die wir hier eigentlich betrachten.... So jetzt hab ich mir einen feinen, frisch aufgebrühten Kaffee verdient. Der trendige Mensch würde wohl lieber lässig einen "Latte" bestellen, das "macchiato" ist schon gar nicht mehr nötig... alles Dummbasenzeugs.

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