Donnerstag, 29. Dezember 2011

Nachruf auf Leopold Hawelka

Lieber Leopold Hawelka

heute Nachmittag bist Du von uns gegangen. Gott hab Dich seelig!! Geboren warst Du am 11 Narrenmonat 1911. Jetzt folgst Du Deiner lieben Josefine nach… Mein herzliches Beileid an Herta und alle, die Euch liebten, schätzten, ehrten aus der Schweiz. Bitte grüsse auch HCA von mir! Seine Wiener Gruppe (mit Konrad Bayer, Gerhard Rühm & Oswald Wiener) verbrachte bei Dir endlose durchschwatzte Nächte. Oft werden sie übersehen, weil es hellere Sterne gibt am Himmel.

Konstruktive, teils kontroverse Kritik an Deinem Lebenswerk ist sicher teilweise angebracht, aber es gibt auch Toleranz gegenüber der Geschichte. Man kann mit etwas Nachsicht zum altgedienten Hawelka pilgern, denn es ist etwas ungelenk geworden über die Jahre, kann sich etwas entspannt an Dich, du liebes Caféhaus, anpassen… Warum die Hektik? Geht doch zum Hauptbahnhof, wenn ihr stressen wollt.

Es ist vielleicht ein Fehler, dass Du in so vielen Reiseführern erwähnt wirst, weisst Du, die Touris wollen bloss auf die Schnelle Kultur reinziehen… Ich erinnere mich an meine Zeit mit Japanern… 1 Woche im Bus quer durch Europa. Die Schweiz: meistens Luzern, 15 Minuten Löwendenkmal, dann 2 Stunden Shopping @ Juwelier Bucherer am Schwanenplatz, dann huschhh nächstes Land.

Es ist schliesslich nicht Dein Ziel, ultramodern, von Cillit Bang blitzend dazustehen, und USA-genormten Fast Food anzubieten. Wenn man bei Dir vorbeischaut, möchte man doch eher etwas von der alten Luft und Deiner glorreichen Vergangenheit schnuppern.

Mir gelingt das. Und wir sind viele, die es so akzeptieren.

In respektabler Verehrung für Leopold und in Liebe für Dich, Du tolles Kaffeehaus Hawelka! Wir mögen Dich so wie Du bist!!!


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Mir ist eigentlich total egal, was andere Menschen über’s Hawelka schreiben & denken… (ich meine, die negativ Schreibenden). Für mich ist es der heilige Tempel, in welchem mein ach so verehrter Hans Carl Artmann verkehrte… ich hab alle seine Werke, Gott hab ihn selig. – Ich bin vor Langem voll Ehrfucht das erste Mal vorsichtig reingetribbelt… natürlich war es schon passé, kein Literatenkaffee mehr, aber ich hab mich so intensiv mit Oesterreichischer Literatur beschäftigt, dass dieser Ort für mich magisch ist. Meine französische Freundin wollte an einem Leseabend dort Mitte 90er Jahre nicht mit, es war eine echte Zerreisprobe unserer Beziehung… ich habs ihr nie verziehen… Ich wünschte, ich hätte einige Freunde der Wiener Gruppe, am Liebsten natürlich HC einmal persönlich treffen können… es ist.. ah, ich werd so melancholisch!! Leset sein “How much, Schatzi?” oder seine unglaublich sensiblen Liebesgedichte… Den Aeronaut. Kauft Euch alle seine Bücher, setzt Euch ins Hawelka und ehret einen hehren Schriftsteller, ein Genie! I LOVE YOU HC..! Nach dem Hawelka geht’s höchstens noch nach Prag… auch dies eine verlorene Suche nach dem Geist von FK & MB

(hatte ich auf Qype eingestellt)

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