Montag, 2. Mai 2011

Melchior Berri Briefkasten in Basel

Das "Basler Täubchen" (Basler Dybli) ist nicht nur manifest in einer der teuersten Schweizer Briefmarken, sondern auch noch heute das Auge erfreuend in der Stadt Basel anhand von 6 nachgegossenen wunderschönen öffentlichen, kobaltblauen Briefkästen mit der weissen Brieftaube (well, blau bis auf einen).

Die Ausgabe des Dybli, der einzigen vom Kanton Basel herausgegebenen Briefmarke, erfolgte am 1. Juli 1845. Sie wurde vom Basler Architekten Melchior Berri (1801-1854) gestaltet. Zudem handelt es sich beim Dybli um die erste mehrfarbig gedruckte und im Prägedruck hergestellte Briefmarke der Welt. Berri gilt als der bedeutendste Schweizer Architekt des Klassizismus. Er schuf Wohnhäuser, Gesellschaftsbauten, Staatsbauten, Kapellen, Fabriken, machte städtebauliche Planungen, entwarf Brunnen, Denk- und Grabmäler. Sein herausragendes Werk ist das Naturhistorische Museum an der Augustinergasse 2 in Basel (1844-49).

Vor 1839 gab es bloss einen Briefkasten beim Postamt. 1839 wurden unter Johann Bernoulli, Postdirektor, erstmals 6 Briefkästen in den Quartieren aufgehängt, fünf in den Vorstädten und einer in Kleinbasel. Die waren jedoch aus folgenden Gründen nicht beliebt: es gab noch keine Briefumschläge, die Briefe waren gefaltet und versiegelt, und es gab noch keine Briefmarken, sondern der Empfänger musste in der Regel eine Taxe bezahlen. Die erste Serie Briefkästen hatten zu grosse Oeffnungen, sodass man Briefe herausklauben konnte, somit das Postgeheimnis nicht gewahrt war. So wurde 1843 eine Kommission eingesetzt, welche diese Problematiken angehen sollte, und gleichzeitig deren Akzeptanz vergrössern sollte. So wurde entschieden, Briefmarken herauszugeben. Nicht lange vorher wurden in Zürich und Genf die ersten Briefmarken der Schweiz herausgegeben. Nur England hatte 1840 als erstes Land der Welt eine Briefmarke herausgegeben.

Melchior Berri Briefkasten

Hier finden Sie alle diese ersten Briefmarken abgebildet:
http://phila.fueeg.com/html/geschichte.html

Die Briefkästen mit der dekorativen Brieftaube wurden 1843/44 von Berri entworfen, der den Auftrag im Rahmen der Neuorganisation des Postverkehrs erhielt. Die ersten Exemplare wurden ab 1844 in München von der Königlichen Erzgiesserei Ferdinand von Miller's gegossen (ebenfalls eine illustre Persönlichkeit, wurde er doch 1851 als Verdienst für seinen Einsatz bei der Herstellung der Monumental-Statue "Bavaria" auftrags Ludwig I. geadelt).

Heute können wir also in vieler Hinsicht Melchior Berri gedenken.

Der Nicht-Basler (hahaha, klar, auch der Basler) kann die Berri-Briefkästen Besichtigung mit einem schönen Stadtspaziergang verbinden. Ich habe sie in dieser Reihenfolge entdeckt (die Fotos sind analog raufgeladen (Nr 1 erscheint nun als 1. Foto), plus jeweils eine Ansicht des Hauses, damit der Neuling sich besser orientieren kann) (Bis nach Riehen hatte ich leider keine Gelegenheit zu pilgern):

- St. Alban Vorstadt Nr. 49, für Bürgermeister Felix Sarasin-Burckhardt gestaltete Berri um 1842 in über drei Jahren das Haus "zum Schöneck" neu, der Briefkasten befindet sich an der rechten Mauer

Melchior Berri Briefkasten

Melchior Berri Briefkasten

Melchior Berri Briefkasten

- vom Münsterplatz aus, Eingang Gasse Münsterberg, Hausnummer 14, rechter Hand

Melchior Berri Briefkasten

Melchior Berri Briefkasten

- Schneidergasse 2 / Ecke Totengässlein, beim Heimatwerk, der Briefkasten ist seit Dezember 1985 in Betrieb, er wurde von der Bürgergemeinde der Stadt Basel 2007 restauriert (siehe Detail-Fotos)

Melchior Berri Briefkasten

Melchior Berri Briefkasten

Melchior Berri Briefkasten

Melchior Berri Briefkasten

Melchior Berri Briefkasten

Melchior Berri Briefkasten

- beim Spalentor (stadtseitig)

Melchior Berri Briefkasten

Melchior Berri Briefkasten

Melchior Berri Briefkasten

- am Lindenberg 5 / Ecke Utengasse in Kleinbasel (wäre toll wenn der auch mal restauriert würde)

Melchior Berri Briefkasten

Melchior Berri Briefkasten

- an der alten Kanzlei in Riehen (Baselstrasse 43).

ja so weit haben mich meine Füsse nicht mehr getragen, daher kein Bild...

P.S. ich habe oben als Adresse die Schneidergasse 2 gewählt, weil ich nicht für jeden Briefkasten ein Beitrag machen will und dieser schön im Zentrum nahe beim Marktplatz ist.

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